Was fehlt, wenn ich verschwunden bin (Rezension)

❧ Samstag, 9. Mai 2020 2 Kommentare

Titel: Was fehlt, wenn ich verschwunden bin 
Autor: Lilly Lindner 
Verlag: Fischer
Preis: 7,99 Euro
Einband: Taschenbuch 
Seitenanzahl: 400
Reihe: /

Klappentext
April ist fort. Seit Wochen kämpft sie in einer Klinik gegen ihre Magersucht an. Und seit Wochen antwortet sie nicht auf die Briefe, die ihre Schwester Phoebe ihr schreibt. Wann wird April endlich wieder nach Hause kommen? Warum antwortet sie ihr nicht? Phoebe hat tausend Fragen. Doch ihre Eltern schweigen hilflos und geben Phoebe keine Möglichkeit, zu begreifen, was ihrer Schwester fehlt. Aber sie verstehet, wie unendlich traurig April ist. Und so schreibt sie ihr Briefe. Wort für Wort in die Stille hinein, die April hinterlassen hat. 

Meine Meinung
Wenn ich "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" in nur einem Satz beschreiben müsste, würde ich sagen: Es ist wunderschön, traurig und unfassbar berührend. Und wenn ich den Schreibstil der Autorin in nur einem Satz beschreiben müsste, würde ich genau dasselbe sagen. Sie schreibt unglaublich wortgewandt und poetisch.

>>Aber eigentlich ist es ja egal, woran man glaubt. Glaube ist nämlich Freiheit im Kopf, und die muss jeder selbst gestalten, nach seinen eigenen Vorstellungen.<< (S. 114)

Die erste Hälfte besteht aus Briefen, die Phoebe an April schreibt und die zweite Hälfte besteht aus Briefen, die April an Phoebe schreibt. Mit dem Unterschied, dass April ihre Briefe nicht versendet. Phoebe (9 Jahre) und April (16 Jahre) sind beide hochbegabt, was auch die Erklärung dafür ist, warum beide, besonders Phoebe, für ihr junges Alter solch wortgewaltige Briefe schreiben können.

>>Du bist ein Satzzeichen. Du setzt ein Zeichen. Mit deinen Sätzen.<< (S. 274)

Die Briefe, die sich die Schwestern schreiben, sind voller Zuneigung und schonungslos ehrlich, auch wenn die Wahrheit nicht schön ist. Sich in die beiden Mädchen hinein zu versetzen, ist mir leicht gefallen, denn nicht mit Phoebe und April mitfühlen, ist fast gar nicht möglich.

Mit ihrem Buch macht Lilly Lindner darauf aufmerksam, wie ernst die Krankheit Magersucht zu nehmen ist. Man mag sie vielleicht zu Beginn nicht sehen, aber es kann zu einem Punkt kommen, an dem sie nur noch schwer oder nicht mehr zu überwinden ist. Ich denke, es ist nicht zu unterschätzen, wie sehr man sich selbst verletzen kann, wenn man keine oder nur noch kaum Nahrungsmittel zu sich nimmt. Und das es auch nicht zu unterschätzen ist, welch gravierende Auswirkungen die eigenen Gedanken, die man vielleicht auch bis zu einem gewissen Grad nicht mehr kontrollieren kann, auf die eigene Gesundheit haben können. Daher finde ich es sehr wichtig, dass es Bücher wie "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" gibt.

>>Aber ich bin nie wirklich da. Denn ich bin in meinem Kopf gefangen. Und mein Kopf ist ein ziemlich hässlicher Ort.<< (S. 333)

Fazit
Falls du "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin", noch nicht gelesen hast und es gerne nachholen möchtest, dann solltest du unbedingt sicherstellen, dass du genügend Taschentücher im Haus hast! :-) 
★★★★

Kommentare:

  1. Hallo liebe Tessa,

    ich habe dieses Buch GELIEBT. Und gerade deinen Ein-Satz-Beschreibung kann ich nur zustimen. Es ist wunderschön und unglaublich traurig und zutiefst berührend ... jetzt habe ich Lust, es nochmal zu lesen, obwohl es mich emotional zerstören wird. :D Und ich habe so unglaublich viele Zitate damals aus diesem Buch rausgeschrieben, wobei man eigentlich fast das ganze Buch zitieren könnte ...

    Liebe Grüße! <3
    Dana

    PS: Anna und ich veranstalten in zwei Wochen einen Lesemarathon und würden uns freuen, wenn du Zeit und Lust hättest, mitzumachen! :)

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    1. Oh ja, mein Exemplar ist auch voller Klebezettel, die ich erstmal alle wieder entfernen müsste, um wieder etwas lesen zu können. :D

      Ich schaue gleich mal bei dir vorbei; Lesemarathon klingt immer gut! :-)

      Liebe Grüße <3
      Tessa

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